Automatisiert Fliesenlegen mit dem FER*Tig*er

Handel und Industrie haben europaweit einen hohen Bedarf an großflächigen Fliesenböden – ca. 10,5 Mio. m2 pro Jahr, Tendenz steigend. Gleichzeitig boomt die Baubranche. Das Personal ist knapp. Der Termindruck steigt. Hinzu kommt, dass Handwerker Fliesen vor allem per Hand verlegen, oft in gebückter Haltung und unter schwierigen Bedingungen. Das ist körperlich anstrengend, viele fallen aus. Die Folge ist ein permanenter Mangel an Arbeitskräften.

Die Idee

Die Fliesen verlegt ein Robotersystem automatisiert. Es arbeitet dabei nicht nur schneller, auch die Qualität der Ausführung ist besser und die Belastung für die Fliesenleger sinkt.

Die Lösung

Der Verlege-Roboter FER*Tig*er. Der mobile Roboter kann automatisiert Fliesen im Rüttelbodenverfahren verlegen.

Das Verfahren besteht aus drei Komponenten:

  • dem Fahrwerk für die Bewegung auf nassem Estrich,
  • der automatisierten Verlege-Einheit mit Vakuum-Greifer und Bildverarbeitungssystem und
  • der separaten Einheit für die Zuführung des Materials.

Das Ergebnis

Der Roboter verlegt bis zu 500 m2 Fliesen von 60 x 60 cm Größe am Tag. Sechs Arbeitskräfte würden bis zu 250 m2 am Tag schaffen. Damit entlastet der FER*Tig*er nicht nur die Handwerker, sondern verkürzt auch die Verlege-Zeit und verbessert die Produktivität von Handwerksunternehmen. Aktuell ist der Prototyp beim Referenz- und Testkunden, der Firma Fliesen Unger, in der Erprobungsphase. Seine Markteinführung ist für 2021 geplant.

Der Prozess

Die Ip M bringt sieben mittelständische Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen aus dem ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) Kooperationsnetzwerk NAAG Automatisierung in Ausbaugewerken zusammen und entwickelt gemeinsam mit ihnen den Verlege-Roboter. Die Partner sind:

  • Ingenieurbüro Muhr GmbH, Schorndorf
  • THD – Technische Hochschule Deggendorf, Technologie Campus Cham
  • Zwerrenz Automatisierungstechnik GmbH, Suhl
  • Gesellschaft für Bild- und Signalverarbeitung (GBS) mbH, Ilmenau
  • Technische Universität Ilmenau, Fachgebiet Qualitätssicherung und industrielle Bildverarbeitung
  • edmos industrielle Baugruppen GmbH, Weidhausen
  • Fliesen Unger GmbH, Breitenbrunn

Zu Beginn des Projektes diskutieren und tüfteln die Partner einige Monate an der Idee. Viele Voruntersuchungen sind nötig, um alle wichtigen Parameter und Anforderungen zu ermitteln. Dazu gehört es, Abläufe auf Baustellen zu untersuchen, optimierte Prozesse zu modellieren und diese dann an die zu entwickelnde Robotik anzupassen. 

Schließlich baut die Gruppe mit Unterstützung von Ip M das Projektmanagement für die Entwicklungsleistungen der einzelnen Partner auf und definiert Schnittstellen sowie Meilensteine und deren Zielparameter.

Zentral bei der Entwicklung sind hochsensible Vermessungs- und Navigationstechnik ebenso wie robotergestützte Transport- und Verlegesysteme.

Gefördert durch